Organ Works

Kastellaun, Kirche Kreuzauffindung

Renovation and enlargement | II/24 (+2 TM) | 2021

FERTIGSTELLUNG GEPLANT BIS ENDE 2021

 

Die Kirche Kreuzauffindung in Kastellaun wurde 1899-1902 im neugotischen Stil mit Querschiff und Nebenchören als dreischiffige Basilika errichtet. Im Jahr der Kirchweihe (1902) wurde die Orgel von den Gebrüdern Gerhardt aus Boppard fertiggestellt. Sie besaß 19 Register auf zwei Manualen und Pedal mit pneumatischer Traktur. Die Disposition war der Erbauungszeit entsprechend hochromantisch ausgelegt mit überwiegend grundtönigen Klangfarben; Zungenstimmen fehlten völlig.

Bis auf die im I. WK in Zink ersetzten Prospektpfeifen war die Orgel Anfang der 1970er Jahre original erhalten, als durch die Firma Klein & Sohn (Obersteinebach) wesentliche Umbauten vorgenommen wurden. So wurde der alte, seitlich eingebaute Spieltisch durch einen fahrbaren ersetzt, die Traktur auf Elektropneumatik umgerüstet und der Klang durch Dispositionsänderungen und Einbau höher liegender Stimmen zu barockisieren versucht. Glücklicherweise wurde dabei ein Großteil des alten Pfeifenmaterials wiederverwendet.

1999 tauschte Fa. Mayer (Heusweiler) eine neobarocke Zimbel 3f. gegen eine neue Oboe 8' aus. Im Laufe der Jahre traten klangliche Defizite und technische Fehlfunktionen immer stärker in Erscheinung.

Ziel der geplanten Renovierungsmaßnahmen ist es, eine technisch und klanglich hochwertige Orgel mit künstlerischer Zukunftsperspektive zu schaffen. Dazu wird das vorhandene störanfällige und musikalisch unbefriedigende Instrument einer grundlegenden Renovierung unterzogen und die Klangsubstanz behutsam weiterentwickelt.

Die historischen Pfeifen besitzen ein großes klangliches Potential und werden nach sorgfältiger Restaurierung tendenziell der ursprünglichen Disposition zurückgeführt. Wo erforderlich, werden fehlende bzw. abgeschnittene Pfeifen rekonstruiert. Die Prospektpfeifen erhalten eine neue Bronzierung. Neu hinzu kommen ferner zwei Tremulanten, ein Schwellkasten für das II. Manual und zwei Suboktavkoppeln.

Die Pedalwindlade wird mit einer Einzeltonsteuerung für die beiden Register Subbass 16‘ und Bordun 8‘ ausgestattet, sowie mit einer Zusatzlade für die Töne ds1 bis f3 versehen, so dass beide Register künftig als Transmission auch im Hauptwerk zur Verfügung stehen.

In der gründlichen Nachintonation der gesamten Orgel entsteht ein charakteristisches und homogenes Klangbild, das alle Register zu einem organischen Ganzen vereint und unter dem Schmelz romantischer Wärme die Strahlkraft der Tonfarben zu voller Wirkung bringt.

Im technischen Bereich sind unter anderem Arbeiten am Ständerwerk und eine Neupositionierung der Pedalladen erforderlich. Die ganze Orgel wird zur Optimierung der Wartungswege um 30 cm nach vorne gerückt. Sie erhält eine bisher fehlende Rückwand und klangdurchlässige Füllungen im Unterbau. Auch die Gehäuseseitenwände werden stilgerecht erneuert.

Die Windladen werden renoviert und die Elektrik nach heutigen Sicherheitsbestimmungen überarbeitet und mit einer BUS-Steuerung ausgestattet. Dementsprechend wird der elektrische Spieltisch überholt und an die neue Disposition angepasst. Das Windsystem muss neu konzipiert werden und erhält ein neues Gebläse.

Für die Zukunft sind weitere Ergänzungen geplant (u.a. Austausch von Registern, Tonumfangserweiterungen im SW und Ped., neuer Hauptspieltisch). Als Vorbereitung dazu wird bereits im Zuge der Renovierung eine neue Kegellade für vier zusätzliche Register hergestellt und an die Windlade des Schwellwerkes angebaut.

 

Das Musikforum Kastellaun informiert ebenfalls über das Projekt auf seiner Internetpräsenz.

console before renovation
pipework before renovation

Disposition

I. Hauptwerk C-f3

  1. Bordun 16‘  TM Ped., G/S
  2. Prinzipal 8‘  G
  3. Holzflöte 8‘  G
  4. Gamba 8‘  G
  5. Gedeckt 8‘  TM Ped., G/S
  6. Octav 4‘  K
  7. Gemshorn 4‘  G/S
  8. Quinte 2 2/3‘  G
  9. Octav 2‘  G
  10. Terz 1 3/5‘  K
  11. Glöcklein 1´  K
  12. Mixtur 3f. 1 1/3  K
    (Fagott 16‘  vacant, ersetzt Glöcklein 1')
  13. Trompete 8‘  K
    Tremulant  S

II.. Schwellwerk C-g3

  1. Geigenprinzipal 8‘  G/S
  2. Gedackt 8‘  H
  3. Salicional 8‘  G
    (Vox coelestis 8‘  vacant)
  4. Flauto amabile 4‘  G
  5. Fugara 4‘  G/K
  6. Waldflöte 2‘  G
  7. Sifflöte 1 1/3´  K
    (Mixtur 3-4f. 2‘ vacant, Sifflöte 1 1/3' integriert)
    (Trompette harmonique 8‘  vacant)
  8. Oboe 8’  M
    (Klarinette 8‘  vacant)
    Tremulant  S

Pedal C-d1

  1. Violon 16‘  G
  2. Subbass 16‘  G
  3. Offenbass 8‘  K
  4. Gedacktbass 8‘  G
    (Choralbass 4‘  vacant)
  5. Posaune 16‘  K

 

Koppeln: II-I, I-P, II-P, Sub II, Sub II-I

Kegelladen, elektropneumatische Trakturen

G = Gerhardt 1902
H = historisch, unbekannte Herkunft
K = Klein 1974, teilw. unbekannte Herkunft
M = Mayer 1999
S = Späth 2021