Orgelwerke

Gütersloh, Martin-Luther-Kirche

Renovierung der Steinmeyer-Orgel (1951) | III/58 | 2018

FERTIGSTELLUNG BIS OKTOBER 2018 GEPLANT

 

Die zentral gelegene evangelische Pfarrkirche von Gütersloh aus dem Jahr 1861 wurde im neugotischen Stil in Form einer Hallenkirche mit Kreuzrippengewölbe errichtet. Während das Hauptschiff in einem 5/8-Chor mündet, enden die von einer umlaufenden Empore eigenommenen Seitenschiffe vor einem vom Hauptraum mit Mauern und Maßwerk getrennten Querhaus. Über der rückwärtigen Empore ist etwa auf Kapitellhöhe eine Art Balkon an der Turmwand angebracht, der die Orgel mit ihrem sehr einfach strukturierten, dreiteiligen Freipfeifenprospekt trägt.

Es handelt sich um die größte Orgel im Kirchenkreis Gütersloh, die von der Firma Steinmeyer als Opus 1803 in zwei Bauabschnitten 1951/56 auf elektropneumatischen Taschenladen erbaut wurde und mittlerweile unter Denkmalschutz steht. Vorne mittig befinden sich die Windladen des Hauptwerks, flankiert von denen des in C/Cis geteilten Pedals. Das Schwellwerk ist dahinter in der spitzbogigen Turmnische untergebracht, die von einer Wand mit sichtbaren Schwelltüren verschlossen ist. Ebenfalls in einer Wandöffnung steht das separat positionierte Positiv an der Rückwand des nördlichen Seitenschiffes. Dessen symmetrisches Gegenstück oberhalb der Südempore besteht lediglich aus einem stummen Prospekt ohne eigenes Werk. Der fahrbare originale Spieltisch steht von der Orgel getrennt auf der Empore.

Das Instrument ist nahezu unverändert erhalten, von technisch solider Verarbeitung und zeigt sorgfältig gearbeitetes Pfeifenwerk. Trotz des steilen Dispositionsaufbaus sind die Stimmen im Grundtonbereich verhältnismäßig tragend intoniert. Dennoch sind im Laufe der Zeit technisch-klangliche Modifikationen erforderlich geworden, die wir ohne nennenswerte Substanzeingriffe so ausführen konnten, dass sich die Orgel nun als ausgereiftes, vervollkommnetes Werk seines ursprünglichen Erbauers und seiner Epoche darstellt.

Neben den üblichen Reinigungs- und Revisionsarbeiten wurde die komplette Elektrik und Elektronik erneuert, sowie ein BUS-System mit integrierter neuer Setzeranlage eingebaut. Dementsprechend wurde auch der Spieltisch grundlegend renoviert und mit Wippmagneten versehen. Die originalen Schalter und Kombinationsmöglichkeiten blieben dabei bestehen.

Durch Überarbeitung der Bälge und Erneuerung der Regulierungsvorrichtungen konnte ein sehr stabiles und stoßfreies Windsystem erreicht werden, das auf vollgriffiges Spiel sogar mit einem leichten Druckanstieg reagiert. Gleichzeitig wurden die ursprünglichen Winddrücke wieder hergestellt.

Für eine effektivere Schwellwirkung wurde die Schwellerfront mit deutlich massiveren Verkleidungen und die Jalousien mit einem zusätzlichen Falz ausgestattet. Die neue Schwellersteuerung mit Progression ermöglicht zudem eine sensiblere Bedienung.

Mit sehr viel Aufwand wurde das Pfeifenwerk vollständig einer behutsamen und ausgleichenden Nachintonation unterzogen, ohne den Gesamtcharakter zu verändern. Vor allem die Zungenstimmen haben durch diese Maßnahme an Klangqualität gewonnen, indem sie nun – auf den Bourdonpunkt hin intoniert – tragender, runder und voller klingen.

Ansicht der Orgel im Raum
Spieltisch vor der Renovierung

Disposition

I. Hauptwerk C-g3

  1. Pommer 16’
  2. Prinzipal 8’ (C-a1 Prospekt)
  3. Rohrflöte 8’
  4. Gemshorn 8’
  5. Quinte 5 1/3’
  6. Oktave 4’
  7. Gedecktflöte 4
  8. Quinte 2 2/3’
  9. Oktave 2
  10. Blockflöte 2’
  11. Terz 1 3/5’
  12. Mixtur4-fach 1 1/3’
  13. Zimbel 3-fach 1/2’
  14. Trompete 16’
  15. Trompete 8’
  16. Trompete 4’

II. Positiv C-g3

  1. Holzgedeckt 8’
  2. Quintade 8’
  3. Prinzipal 4’ (C-fs1 Prospekt)
  4. Holzflöte 4’
  5. Oktave 2’
  6. Schwiegel 2’
  7. Quinte 1 1/3’
  8. Oktave 1’
  9. Zimbel 4-fach 1/3’
  10. Dulzian 16’
  11. Krummhorn 8’
  12. Trompetenregal 4’
    Tremulant

III. Schwellwerk C-g3

  1. Rohrgedeckt 16’
  2. Holzprinzipal 8’
  3. Gedeckt 8’
  4. Dulzflöte 8’
  5. Vox coelestis 8’
  6. Prinzipal 4’
  7. Koppelflöte 4’
  8. Nasat 2 2/3’
  9. Oktave 2’
  10. Waldflöte 2’
  11. Terz 1 3/5’
  12. Sifflöte 1’
  13. Scharff 3-5-fach 1’
  14. Fagott 16’
  15. Schalmei 8’
  16. Kopftrompete 4’
    Tremulant

Pedal C-f1

  1. Prinzipal 16’ (C-g° Prospekt)
  2. Subbaß 16’
    Rohrgedeckt 16’ (Transmission aus III. Manual)
  3. Quinte 10 2/3’
  4. Oktave 8’
  5. Gedeckt 8’
  6. Oktave 4’
  7. Nachthorn 4’
  8. Rauschpfeife 4-fach 2 2/3’
  9. Rohrpfeife 2’
  10. Mixtur 5-fach 2’
  11. Posaune 16’
    Fagott 16’ (Transmission aus III. Manual)
  12. Trompete 8’
  13. Trompete 4’
  14. Cornett 2’

 

Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P

Spielhilfen: 4 freie Kombinationen, 1 freie Pedalkombination, Crescendowalze, Zungeneinzelabsteller, Koppeln aus Walze, Tutti, Handregister ab, Setzeranlage.