Orgelwerke

Schlüchtern, Ev. Kirche St. Michael
Renovierung und Fertigstellung der Karl Schuke Orgel von 1994
Die Evangelische Kirche St. Michael in Schlüchtern ist eine schlichte klassizistische Saalkirche mit seitlich umlaufenden Emporen. Der Westturm stammt aus dem 14. Jahrhundert, das Kirchenschiff wurde 1842 errichtet. Neben ihrer gottesdienstlichen Nutzung dient die Kirche als zentraler Ort der kirchenmusikalischen Ausbildung: Die Kirchenmusikalische Fortbildungsstätte (KMF) Schlüchtern nutzt das Instrument intensiv für Unterricht, Proben und Konzerte.
Die Orgel wurde 1994 von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke GmbH erbaut. Sie verfügt über 37 Register auf drei Manualen und Pedal. Bereits bei der Erbauung war das Instrument konzeptionell auf Erweiterung ausgelegt: Fünf Register wurden konstruktiv vorbereitet, jedoch bis heute nicht realisiert. Windladen, Registermechanik und Aufstellflächen sind hierfür bereits vorhanden.
Nach rund drei Jahrzehnten intensiver Nutzung machen Verschleiß, Verschmutzungen und technische Alterungsprozesse eine umfassende Überarbeitung erforderlich. Im Zentrum der geplanten Arbeiten steht die gründliche Reinigung und Revision der gesamten Orgelanlage.
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die klangliche Vervollständigung der Orgel durch den Einbau der bei der Erbauung vorgesehenen, jedoch bislang fehlenden Register. Im Hauptwerk werden eine Quinte 2 2/3′ sowie ein fünfchöriges Cornett ergänzt. Das Schwellwerk erhält mit Basson 16′ und Trompete 8′ zwei charaktervolle Zungenregister in französischer Bauweise. Im Pedal wird ein Clairon 4′ ergänzt.
Diese Maßnahmen erweitern nicht nur die klangliche Vielfalt, sondern schließen konzeptionelle Lücken im Aufbau der Orgel. Die neuen Register werden in Mensur, Material und Intonation konsequent auf das bestehende Instrument abgestimmt.
Messungen haben gezeigt, dass insbesondere im Hauptwerk bei hoher Belastung erhebliche Winddruckabfälle auftreten. Diese wirken sich negativ auf Ansprache, Klangstabilität und Stimmung aus. Zur Behebung dieses Problems wird das Windsystem grundlegend überarbeitet.
Darüber hinaus wird die Orgel einer intensiven klanglichen Neuintonation unterzogen. Dabei werden alle Register in ihrer Balance zueinander überarbeitet und auf eine entspannte, tragfähige und vokale Tongebung hin ausgerichtet.
Mit der Renovierung, klanglichen Vervollständigung und technischen Sicherung wird die Karl-Schuke-Orgel der Kirche St. Michael langfristig erhalten und in ihrer ursprünglichen Konzeption vollendet. Das Instrument erhält damit eine neue klangliche Präsenz und Zuverlässigkeit – als zentrales Arbeitsinstrument der Kirchenmusik, als Begleiter des Gemeindegesangs und als vielseitige Konzertorgel.
Disposition
I. Hauptwerk C-a3
- Bordun 16’
- Prinzipal 8’
- Gedackt 8’
- Oktave 4’
- Blockflöte 4’
- Quinte 2 2/3’
- Oktave 2 ’
- Cornett 5 fach
- Mixtur 5-6 fach 1 1/3’
- Trompete 8’
II. Positiv C-a3
- Rohrflöte 8’
- Prinzipal 4’
- Spitzflöte 4’
- Sesquialtera 2-fach
- Flachflöte 2’
- Quinte 1 1/3’
- Scharf 4-fach 2/3’
- Cromorne 8’
III. Schwellwerk C-a3
- Flötenprinzipal 8’
- Bordun 8’
- Salizional 8’
- Vox coelestis 8’
- Oktave 4’
- Traversflöte 4’
- Nasat 2 2/3’
- Oktave 2’
- Tierce 1 3/5’
- Martinshorn 1’
- Fourniture 1-fach 2’
- Basson 16’
- Trompete 8’
- Hautbois 8’
Pedal C-f1
- Holzprinzipal 16’
- Subbaß 16’
- Oktavbaß 8’
- Gedacktbaß 8’
- Choralbaß 4’
- Hohlflöte 4’
- Rauschpfeife 3-fach 2 2/3’
- Posaune 16’
- Trompete 8’
- Clairon 4’
Koppeln: SW/HW, Pos/HW, SW/Pos, SW/Ped, Pos/Ped, HW/Ped
Mechanische Kollektivtritte: Pleno Hauptwerk, Pleno Positiv, Zungen Hauptwerk
Sperrventile für Groß- und Kleinpedal



